Buchpreisträger 2018

Deutscher Buchpreis 2018

Inger-Maria Mahlke erhält den Deutschen Buchpreis 2018 für
Archipel

Rosa kehrt zurück nach Teneriffa, in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Ihr Großvater Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt. „Archipel“ führt rückwärts durch Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González’, aber auch derer, die keine Namen haben.

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Begründung der Jury

Der Archipel liegt am äußersten Rand Europas, Schauplatz ist die Insel Teneriffa. Gerade hier verdichten sich die Kolonialgeschichte und die Geschichte der europäischen Diktaturen im 20. Jahrhundert. Inger-Maria Mahlke erzählt auf genaue und stimmige Weise von der Gegenwart bis zurück ins Jahr 1919. Im Zentrum stehen drei Familien aus unterschiedlichen sozialen Klassen, in denen die Geschichte Spaniens Brüche und Wunden hinterlässt. Vor allem aber sind es die schillernden Details, die diesen Roman zu einem eindrücklichen Ereignis machen. Das Alltagsleben, eine beschädigte Landschaft, aber auch das Licht werden in der Sprache sinnlich erfahrbar. Faszinierend ist der Blick der Autorin für die feinen Verästelungen in familiären und sozialen Beziehungen.

    

Preisträger der Leipziger Buchmesse:

Belletristik:



Esther Kinsky
Hain

Über das Buch

Italienische Reisen eigener Art unternimmt die Ich-Erzählerin in Esther Kinskys Geländeroman, in dem Landschaftsmeditation, Kindheitserinnerungen und Trauer zusammenkommen. Nicht nach Rom, Florenz oder Siena zieht es sie, sondern in abseitige Landstriche – nach Olevano Romano etwa, eine Kleinstadt nordöstlich von Rom, oder in die Valli di Comacchio, die Lagunenlandschaft im Delta des Po. Zwischen diesen Geländeerkundungen führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in ihre Kindheit: Wie bruchstückhafte Filmsequenzen tauchen die Erinnerungen an zahlreiche Fahrten durch das Italien der 70er Jahre auf, dominiert von der Figur des Vaters.

Sachbuch/Essayistik



Karl Schlögel: "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt"
(Verlag C.H. Beck)

Der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel lädt hundert Jahre nach der Revolution von 1917 mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Er beschreibt eindrucksvoll die Objekte und Routinen des Lebens zu sowjetischen Zeiten und interessiert sich für die Paraden der Macht genauso wie für die Rituale des Alltags. Er erkundet die Weite des Eisenbahnlandes und die Enge der Gemeinschaftswohnung und stellt so die Sowjetunion als „Lebensform“ dar. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat die Sowjetunion ihre Spur hinterlassen.

Übersetzung



Sabine Stöhr und Juri Durkot: übersetzten aus dem Ukrainischen: "Serhij Zhadan: Internat"
(Suhrkamp Verlag)

Januar 2015, Donbass. Der junge Lehrer Pascha beobachtet, wie sich die Frontlinie seinem Zuhause nähert. Nun ist er gezwungen, diese Linie zu überschreiten, um seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat am anderen Ende der Stadt nach Hause zu holen. Durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammengebrochen ist, dauert einen ganzen Tag, der Heimweg wird zu einer Prüfung. In einer authentischen und schmerzvollen Sprache schildert Serhij Zhadan, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt. Seine Auseinandersetzung mit dem Krieg im Donbass findet mit seinem Roman Internat ihren vorläufigen Höhepunkt.

Georg-Büchner-Preis

Die Schriftstellerin Terézia Mora wird mit dem Georg-Büchner-Preis 2018 ausgezeichnet. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Terézia Mora wurde 1971 in Ungarn geboren und wuchs zweisprachig auf. Seit 1990 lebt sie in Berlin. Für ihren Roman Das Ungeheuer erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien ihr Roman Die Liebe unter Aliens. Daneben wurde sie bereits mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Terézia Mora ist außerdem als Übersetzerin aus dem Ungarischen erfolgreich.

Alle Gewinner seit 2010:

2018: Terézia Mora

2017: Jan Wagner

2016: Marcel Beyer

2015: Rainald Goetz

2014: Jürgen Becker

2013: Sibylle Lewitscharoff

2012: Felicitas Hoppe

2011: Friedrich Christian Delius

2010: Reinhard Jirgl

2009: Walter Kappacher