Buchpreisträger 2020

Alemannischer Literaturpreis 2020 geht an Christoph Keller

Christoph Keller erhält den Alemannischen Literaturpeis.
Er hat die Corona-Krise vorhergesehen: Der St. Galler Autor Christoph Keller erhält den Alemannischen Literaturpreis 2020 für seinen Corona-Roman

Christoph Keller wird mit dem Alemannischen Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Der Schweizer Schriftsteller erhält den Preis für seinen im Jahr 2019 im Limmatverlag erschienenen Roman „Der Boden unter den Füßen. Die vierköpfige Fachjury würdigt damit die „sprachlich und kompositorisch meisterhafte Annäherung an die drängenden Fragen unserer Zeit“, die dem Autor mit seinem Werk gelungen sei. Der Festakt zur offiziellen Preisverleihung findet am Sonntag, 22. November 2020, in Waldshut-Tiengen statt.

In „Der Boden unter den Füßen“ zweifelt der erfolgreiche Brückenbauer Lion am Sinn seines Tuns, als beim Einsturz seiner zuletzt fertiggestellten Konstruktion neun Menschen sterben. Er fordert ein Moratorium für neue Brückenbau-Projekte wie auch für die kapitalistische Wachstumslogik insgesamt, und zieht sich in seinen heimischen Garten zurück. In surrealistischen Szenen durchlebt Lion die Läuterung nach seinem persönlichen Weltuntergang traumwandlerisch als Metapher einer globalen Apokalypse im Sinne einer großen Entschleierung.

Eine selbsterwählte Quarantäne als Maßnahme, um die Folgen des eigenen Handelns kritisch zu reflektieren: „Indem der Autor seinen Ich-Erzähler zu dieser radikalen Form der Schuldverarbeitung greifen lässt, nimmt er in prophetischer Weise den durch die Corona-Pandemie angestoßenen Diskurs über nachhaltiges Wirtschaften vorweg“, urteilt die Jury.
Doch sein Buch sei weit mehr als nur ein Appell zu ökonomischer Mäßigung: „Aus der Konfrontation mit wirklichen wie unwirklichen Personen, Phänomenen und Vorgängen entwickelt Keller eine so fantastische wie facettenreiche Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020Amartya Sen

Friedenspreis für Amartya Sen

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2020 an den Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen. Wir ehren mit ihm einen Philosophen, der sich als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzt und dessen Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit heute so relevant sind wie nie zuvor. Gesellschaftlichen Wohlstand nicht allein am Wirtschaftswachstum zu messen, sondern immer auch an den Entwicklungsmöglichkeiten gerade für die Schwächsten, gehört dabei zu seinen wichtigsten Forderungen.

Amartya Sen hebt Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als essentielle demokratische Tugenden hervor und beweist, dass Kulturen keine Quelle des Streits um Identitäten sein müssen. In eindringlichen Darstellungen zeigt er, wie Armut, Hunger und Krankheit mit fehlenden freiheitlichen Strukturen zusammenhängen. Mit dem »Human Development Index«, dem »Capabilities Approach« und den »Missing Women« hat er früh Konzepte vorgelegt, die bis heute hohe Maßstäbe für die Ermöglichung, Gewährleistung und Bewertung gleicher Chancen und menschenwürdiger Lebensbedingungen setzen.

Sein inspirierendes Werk ist Aufruf dazu, eine Kultur politischer Entscheidungen zu fördern, die von der Verantwortung für andere getragen ist und niemandem das Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung verwehrt.


Thomas-Mann-Preis – Nora Bossong

 Frankfurter Buchmesse 2019, von 16. bis 20.10.2019 in Frankfurt am Main. Foto: Nora Bossong, Buchtitel - Schutzzone Frankfurt Book Fair 2019, from 16 to 20 10 2019 in Frankfurt am Main Photo Nora Bossong, book title Protection Zone  (imago / Manfred Segerer)
Die Schriftstellerin Nora Bossong erhält den mit 25. 000 Euro dotierten Thomas-Mann-Preis.

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