Buchpreisträger 2020

Nobelpreis für Literatur 2020 geht an Louise Glück

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die Amerikanerin Louise Glück. Das hat die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm verkündet. Der Literaturnobelpreis ist mit neun Millionen schwedischen Kronen und damit derzeit fast 860.000 Euro dotiert. Er zeichnet das Gesamtwerk der Preisträger aus. Die Lyrikerin Glück erhält ihn „für ihre unverkennbare poetische Stimme, die mit strenger Schönheit individuelle Existenz universell“ mache, wie der Ständige Sekretär der Akademie mitteilte.

Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2020 geht an Amartya Sen

Der Stiftungsrat hat den indischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Amartya Sen zum Friedenspreisträger des Jahres 2020 gewählt. Die Verleihung findet am Sonntag, 18. Oktober 2020, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird live im Fernsehen übertragen.

Alemannischer Literaturpreis 2020 geht an Christoph Keller

Christoph Keller erhält den Alemannischen Literaturpeis.
Er hat die Corona-Krise vorhergesehen: Der St. Galler Autor Christoph Keller erhält den Alemannischen Literaturpreis 2020 für seinen Corona-Roman

Christoph Keller wird mit dem Alemannischen Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Der Schweizer Schriftsteller erhält den Preis für seinen im Jahr 2019 im Limmatverlag erschienenen Roman „Der Boden unter den Füßen. Die vierköpfige Fachjury würdigt damit die „sprachlich und kompositorisch meisterhafte Annäherung an die drängenden Fragen unserer Zeit“, die dem Autor mit seinem Werk gelungen sei. Der Festakt zur offiziellen Preisverleihung findet am Sonntag, 22. November 2020, in Waldshut-Tiengen statt.

In „Der Boden unter den Füßen“ zweifelt der erfolgreiche Brückenbauer Lion am Sinn seines Tuns, als beim Einsturz seiner zuletzt fertiggestellten Konstruktion neun Menschen sterben. Er fordert ein Moratorium für neue Brückenbau-Projekte wie auch für die kapitalistische Wachstumslogik insgesamt, und zieht sich in seinen heimischen Garten zurück. In surrealistischen Szenen durchlebt Lion die Läuterung nach seinem persönlichen Weltuntergang traumwandlerisch als Metapher einer globalen Apokalypse im Sinne einer großen Entschleierung.

Eine selbsterwählte Quarantäne als Maßnahme, um die Folgen des eigenen Handelns kritisch zu reflektieren: „Indem der Autor seinen Ich-Erzähler zu dieser radikalen Form der Schuldverarbeitung greifen lässt, nimmt er in prophetischer Weise den durch die Corona-Pandemie angestoßenen Diskurs über nachhaltiges Wirtschaften vorweg“, urteilt die Jury.
Doch sein Buch sei weit mehr als nur ein Appell zu ökonomischer Mäßigung: „Aus der Konfrontation mit wirklichen wie unwirklichen Personen, Phänomenen und Vorgängen entwickelt Keller eine so fantastische wie facettenreiche Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020Amartya Sen

Friedenspreis für Amartya Sen

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2020 an den Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen. Wir ehren mit ihm einen Philosophen, der sich als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzt und dessen Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit heute so relevant sind wie nie zuvor. Gesellschaftlichen Wohlstand nicht allein am Wirtschaftswachstum zu messen, sondern immer auch an den Entwicklungsmöglichkeiten gerade für die Schwächsten, gehört dabei zu seinen wichtigsten Forderungen.

Amartya Sen hebt Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als essentielle demokratische Tugenden hervor und beweist, dass Kulturen keine Quelle des Streits um Identitäten sein müssen. In eindringlichen Darstellungen zeigt er, wie Armut, Hunger und Krankheit mit fehlenden freiheitlichen Strukturen zusammenhängen. Mit dem »Human Development Index«, dem »Capabilities Approach« und den »Missing Women« hat er früh Konzepte vorgelegt, die bis heute hohe Maßstäbe für die Ermöglichung, Gewährleistung und Bewertung gleicher Chancen und menschenwürdiger Lebensbedingungen setzen.

Sein inspirierendes Werk ist Aufruf dazu, eine Kultur politischer Entscheidungen zu fördern, die von der Verantwortung für andere getragen ist und niemandem das Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung verwehrt.

Preisträger der Leipziger Buchmesse

BelletristikSachbuch/EssayistikÜbersetzung


Lutz Seiler
Stern 111

Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit, das Land. Sie folgen einem „Lebensgeheimnis“, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Dieser verweigert den Auftrag, das elterliche Erbe zu übernehmen, und flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des „klugen Rudels“ aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Dort schlingert Carl durch das Chaos der Nachwendezeit, stets in der Hoffnung, seine einzige Liebe Effi wiederzusehen.


Bettina Hitzer
Krebs fühlen

Die Diagnose Krebs war früher ein Todesurteil und löst bis heute bei Patienten und Patientinnen Angst und Schrecken aus. Die Wahrnehmung dieser Gefühle hat sich aber im Laufe der Zeit stark verändert. Empathie und Hoffnung spielen heute eine größere Rolle, Patienten und ihre Angehörigen lassen sich ein auf die Emotionen, die die Erkrankung auslösen. Diese Revolution der Gefühle hat die Medizin und die deutsche Gesellschaft erstaunlich gewandelt. Bettina Hitzer schildert am Beispiel von Krebs, dem „König aller Krankheiten“, kulturhistorische Zusammenhänge zwischen Krankheit und Gefühl, die bisher kaum beachtet wurden.


Pieke Biermann: übersetzte aus dem amerikanischen Englisch: "Oreo" von Fran Ross

Über das Buch

OREO von Fran Ross ist ein bereits in den 70er Jahren erschienenes, kaum beachtetes, dann wiederentdecktes und jetzt übertragenes Buch über kulturelle Identitäten. Seine Autorin wurde 1935 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer schwarzen Mutter geboren – wie ihre Romanheldin, die 16-jährige Christine, genannt „Oreo“, die sich in New York auf die Suche nach ihrem Vater begibt. Dort trifft sie unglaubliche Leute: einen „Reisehenker“, der Manager feuert, einen Radio-Macher, der nicht spricht, einen tumben Zuhälter und endlich auch ihren Vater. Nicht jeder ist ihr wohlgesinnt. Aber Oreo überlebt alles dank ihres selbsterdachten Kampfsports WITZ.

Thomas-Mann-Preis – Nora Bossong

 Frankfurter Buchmesse 2019, von 16. bis 20.10.2019 in Frankfurt am Main. Foto: Nora Bossong, Buchtitel - Schutzzone Frankfurt Book Fair 2019, from 16 to 20 10 2019 in Frankfurt am Main Photo Nora Bossong, book title Protection Zone  (imago / Manfred Segerer)
Die Schriftstellerin Nora Bossong erhält den mit 25. 000 Euro dotierten Thomas-Mann-Preis.

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